Ich geh ins Licht

Da lieg ich am Boden, mitten auf der Strasse, spüre meinen Körper nicht mehr… und finde es entspannend. Ich muss grinsen. Ein Rot-Kreuz-Typ mit besorgtem Ausdruck schiebt sein Gesicht in mein Blickfeld. Und es wird dunkel. Es riecht komisch. Und ich hab einen seltsamen Geschmack im Mund.

Jetzt sehe ich die ganze Szenerie von oben. Mein Gott, das sieht ja heftig aus! Die ganze Karre voll im Arsch! Total verbeult. Mann, der Wagen war so geil! Toni liegt nicht weit neben mir. Er macht auch einen entspannten Eindruck. Wahrscheinlich geht’s ihm so wie mir. Erik ist nirgends zu sehn. Überall Blut. Wie ekelhaft.

Ein Krankenwagen und zwei Polizeiwagen. Und ein endslanger Stau. Die ganze Strasse ist blockiert. Alle rennen blöd in der Gegend rum und versuchen die Lage in den Griff zu kriegen. Herr zu werden. Jaja. Chaos. Haha!

Trotzdem ist alles ruhig. Es hupt gar niemand. Die versuchen da unten mich zu reanimieren, geben sich richtig Mühe. Zu spät, Jungs. Aber danke! Ich geh ins Licht. Glaub ich.

Ein paar Stunden vorher pack ich Toni ein und fahr mit ihm in meinem fetten 7er in die Stadt. Ich liebe meinen Wagen! Wir parken vorm Stern. Da wird jetzt gefeiert! Ich hab einen Plattenvertrag in der Tasche. Ein kleines New Yorker Label. Aber hey, der Hammer!!! USA, ich komme… Welt, ich bin da!

Mit den Drogen hab ich aufgehört, oder will es zumindest. Ich brauch jetzt einen klaren Kopf. Aber heute wird eine Ausnahme gemacht. Heut lass ich es ordentlich krachen! Das ist mein Tag!

Wir landen im Stern, Stammtreffpunkt für alle Freaks, und ich bestell erstmal Tequila. Braun. Doppelt. Rein damit! Alle sind da. Es wird geil heute! Guter Sound. Klar, Bier muss auch rein. Sowieso. Wir lachen. Wir amüsieren uns. Erik betritt die Bühne. Klar, noch mal Tequila. Braun. Doppelt. Gleich für die ganze Runde. Reinhauen! Jawoll! Ich bin der King! Heute, gestern, und morgen erst recht! Wo sind eigentlich die geilen Schnitten heute? Egal. Party! Aufdrehn!

Mann, ich will jetzt kiffen! Toni hat was in der nächsten Stadt. Erik hat nichts dabei, will auch nicht unbedingt kiffen, aber noch ne Runde mit uns abhängen. Klar. Wieso auch nicht.

Ich ruf meinen Bruder an. Klingeling. Er klingt, als wär er grad eben erst aufgewacht, der alte Schnarchzapfen. Nee, hat auch nix, aber schaut nachher mal. Macht was klar. Wir bimmeln uns später noch mal zusammen. Ich bin eh schon sternhagelvoll. Auf geht’s! Leben ist geil! Party!!!

Don’t drink and drive if you can smoke and fly! Okay, bis zur nächsten Stadt ist es nicht weit. Eine Viertelstunde. Fünfzehn Minuten. Höchstens. Nicht mehr. Ein Katzensprung. Wie meine Mutter zu sagen pflegt. Das schaff ich ohne Probleme. Aber hallo! Die schlimmste Fahrt im besoffenen Zustand war die, als die Streifen in der Mitte der Strasse plötzlich aufrecht standen. Ich bin immer heil angekommen.

Erstmal Fastfood. Was einwerfen. Dann geht das schon. Paar Kilometer. Also. Los! Wir fliegen zum Auto. Da steht er. Dick, fett, schnell.

Wir düsen die Straße entlang. Mann, ich kann es nur wiederholen: mein Leben ist echt geil! Ich bin Musiker und DJ, berühmt und berüchtigt, habe geile Frauen am Start, fette Gigs, coole Freunde und den besten Sohn der Welt! Der wird Augen machen, wenn er mein Album sieht und hört. Ich freu mich! Vorhin waren wir noch zusammen auf einem Basketballspiel. Schön war’s!

Fastfood Fraß intus und auf gehts. Highspeed! Vollgas! Ich will jetzt kiffen! Ein letztes Mal. Bis zum Umfallen. Toni mampft noch am Burger. Er lacht. Da war ein Saurier in meiner Verpackung. Hab ne Kindertüte gekauft. Happy. Ist aber gar kein so tolles Spielzeug. So ne Plastiknummer. Von Kindern für Kinder.

Mein Sohn bekommt alles was er will, wenn die Kohle erstmal rüberschwappt von Übersee! Ich kauf ihm einen Vergnügungspark! Noch mal an der Coke schlürfen. Lebe deinen Traum.

Die Straße geht. Nicht viel los. Sonntag. Erster Advent. Bald ist Silvester. Weihnachten steht vor der Tür. Alte Männer verkleiden sich als rote Flasche. Ich bin gut drauf. Im Autoradio läuft geiler Sound! Laut! Fett! So soll es sein. So gehört sich das.

Gut, dass es nicht schneit. Da kann ich besser brettern. Ich komme mir vor wie Han Solo im Rasenden Falken. Nur besser. Der Saurier kommt vorn an die Scheibe, er soll was sehen. Es ist zwar schon dunkel, macht aber nichts.

Nicht mehr weit. Gleich sind wir da! Jetzt kommen die bescheuerten Kurven. Egal, ich pack das. Wär doch gelacht. Am Ende wird’s zweispurig und man kann locker in die Stadt reinrollen. Ganz easy. Wie aufm roten Teppich. Applaus.

Wir haben Spaß! Wir lachen! Und gleich kommt der Abschuss. In der Stadt wohnt doch auch die geile Alte. Die nehme ich mir nachher noch her. Yes!

Kurven. Lustig. Ach fuck, vor mir macht so ein Wichser auf die Geschwindigkeitsbegrenzung aufmerksam. Lahme Ente! Er wechselt nichtmal nach rechts. Die Sau! Soll mich vorbeilassen, Mann! Penner. Verpiss dich! Wegen solchen Idioten passieren die Unfälle. Dem zeig ich’s. Kickdown! Ha. Und Tschüss.

Mit Elan rechts überholt. Zack! Scheiße. Was? Die Karre knallt irgendwo gegen und beginnt sich zu drehen. Wie in Zeitlupe. Fast. Wow! Moment. Da kommt einer.

Mir wird übel. Nein! Nicht jetzt. Hau ab! Brems! Ich versuch das Lenkrad herum zu reißen. Klappt nicht. Wir drehen uns immer noch, die Jungs schreien. Ich auch? Weiß nicht. Ich verliere die Kontrolle über meinen Wagen.

Wir rutschen auf die Gegenfahrbahn und die Scheißkarre aus dem Gegenverkehr ist uns viel zu nah. Ich sehe für einen Moment den Kerl am Steuer. Er sitzt da und schreit, wie blöd. Neben ihm eine Frau, die schreit auch, noch blöder. Fuck! Irgendwie ist das gar nicht witzig.

Es kracht. Und knirscht. Splittert. Alles ganz langsam. Der Saurier fliegt wie schwerelos durch die Luft. Mein Wagen verbiegt sich. Das Steuer dreht sich nach oben weg. Die Motorhaube des anderen Wagens schiebt sich von der Seite in meine Tür. Mein Sitz wird zusammengequetscht. Was für ein abgefahrenes Geräusch. Krass! Was? Mein Bein!

Toni und ich knallen mit den Köpfen aneinander. Meine Brille bricht in der Mitte durch. Die Windschutzscheibe wird komplett zerrissen. Die Motorhaube des Anderen ist rot. Es riecht nach irgendeinem verbrannten Zeug. Ich bin natürlich nicht angeschnallt. Wieso auch. Dafür bekomm ich jetzt einen Freiflug. Toni auch. Einer meiner Schuhe bleibt unten hängen. Ich sehe nichts mehr. Es geht alles plötzlich sehr schnell. Und ist doch so langsam. Wow! Ich weiss nicht. Gefällt mir das? Eigentlich nicht. Ich weiß es nicht so genau. Was passiert hier eigentlich?

Eine Weile geschieht gar nichts. Stille.

Dann lieg ich am Boden, mitten auf der Strasse, spüre meinen Körper nicht mehr… und finde es entspannend. Ich muss grinsen. Ein Rot-Kreuz-Typ mit besorgtem Ausdruck schiebt sein Gesicht in mein Blickfeld. Und es wird dunkel. Es riecht komisch. Und ich hab einen seltsamen Geschmack im Mund.

Jetzt sehe ich die ganze Szenerie von oben. Mein Gott, das sieht ja heftig aus! Die ganze Karre voll im Arsch! Total verbeult. Mann, der Wagen war so geil! Toni liegt nicht weit neben mir. Er macht auch einen entspannten Eindruck. Wahrscheinlich geht’s ihm so wie mir. Erik ist nirgends zu sehn. Überall Blut. Wie ekelhaft.

Ein Krankenwagen und zwei Polizeiwagen. Und ein endslanger Stau. Die ganze Strasse ist blockiert. Alle rennen blöd in der Gegend rum und versuchen die Lage in den Griff zu kriegen. Herr zu werden. Jaja. Chaos. Haha!

Trotzdem ist alles ruhig. Es hupt gar niemand. Die versuchen da unten mich zu reanimieren, geben sich richtig Mühe. Zu spät, Jungs. Aber danke! Ich geh ins Licht.

© 2014, Paolo Percoco

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RiGNA FOLK – Pablum

[music] Rigna Folk – Pablum (2014)
[film] Charlie Chaplin – The Kid (1921)
[videoart] Paolo Percoco
© 2014

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Molwanienreport vom Donaufest 2014

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Wortkonzert – Poetry Slam – Biberach

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Neues aus Fragebogenland

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3 auf die 12! Querdenker in den Ulmer Gemeinderat ;-)

Paolo Percoco, 37 Jahre alt, Auszubildender auf dem zweiten Bildungsweg und Mitglied des Programmrats bei Radio free FM, hat väterlicherseits italienische und mütterlicherseits deutsch-amerikanische Wurzeln. Geboren wurde er in Merate (Italien), wuchs in Deutschland auf, ist sehr oft innerhalb Deutschlands umgezogen und hat in Köln, Stuttgart und München gelebt und gearbeitet. Seit vier Jahren lebt er in Ulm. Auf die UlmHoch3-Liste hat er sich setzen lassen, da er die drei Hauptthemen der Wählervereinigung „Transparentes Rathaus“, „Soziale Stadt“ und „Lebenswertes Ulm“ in all seinen Unterpunkten und Ausführungen voll unterstützt. In seiner Jugend war Paolo Percoco im Jugendgemeinderat der Stadt Weingarten, war mehrfach Klassensprecher und in der SMV seiner damaligen Schule, dem Gymnasium Weingarten, aktiv. In Ulm hat er unter anderem eine Podiumsdiskussion in der Volkshochschule zum Thema Hartz IV und Grundeinkommen mit-organisiert, die gleichzeitig im freien Radio übertragen wurde und auf Video aufgezeichnet worden ist. Politisch ist er parteilos. (Nachtrag: Paolo wurde nicht gewählt, hat aber aus dem Stand 1445 Stimmen bekommen. Am 13. Juni 2014 trat er der Satirepartei “Die PARTEI” bei und ist Gründungsmitglied des Kreisverbands Ulm/Alb-Donau)

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Sergei Kaputchin-Müller

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Wellenlänge

[music] Rainer von Vielen – Wellenlänge (2014)
[film] Franco Zeffirelli – Romeo and Juliet (1968)
[videoart] Paolo Percoco
© 2014

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Widerspruch zwischen Regularien und Gewissen?

Das Video zum Gastspiel im Club Orange der Ulmer Volkshochschule vom 8. September 2013 ist jetzt online. “Hartz IV – Widerspruch zwischen Regularien und Gewissen?” war eine Zusammenarbeit von Radio free FM und der Initiative Grundeinkommen Ulm. Danke an alle Beteiligten!

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Moderation “Streetdance Workshop & Battle 2013″

Die Handwerkskammer Ulm hat die Idee Jugendliche über den Tanz ans Handwerk heranzuführen an einem Abend im Ulmer Haus der Begegnung auf ganz tolle Art und Weise in die Tat umgesetzt. Das “Streetdance Workshop & Battle 2013″ Event hatte tolle Gäste, allen voran die Breakerformation “Incredible Syndicate”, die auch als Gewinner des Abends hervorgingen. In der Jury saßen unter anderem Rola El Halabi und Ali Chopan. Organisiert wurde das Ganze von Christiane Birnbaum und Angela Klose. Durch den Abend führte Paolo Percoco. Das bin ich :-) Schön wars!

Streetdance Battle 2013

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